Der Strudel – Ein Hauch von Teig

Es ist eine große Kunst, einen Strudelteig so hauchdünn auszuziehen, dass man darunter eine Zeitung lesen kann. Eine besonders wichtige Zutat für das Gelingen ist Mehl mit guter Klebereigenschaft. Die Füllungen können süß oder pikant sein und etwa aus Äpfeln, Nüssen, Mohn, Topfen (Quark) oder würzigen Käsesorten, Spinat, Kraut, Zwiebeln und Speck bestehen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Strudel ausziehen, Villach
Strudel ausziehen – eine Kunst!  
Quelle: ORF/Produktion West/Gerhard Mader

Die dünnen Teigblätter eines Strudels sind eigentlich orientalischen Ursprungs. 
Das süße Baklava ist eine klassische türkische Dessert-Spezialität, die auch bei uns viele kennen: gefüllt mit Walnüssen oder Pistazien und übergossen mit Honig oder Zuckersirup.

Befüllung Apfelstrudel mit Rosinen und Brösel, Krems.
Befüllung eines Apfelstrudels mit Rosinen und Brösel.  
Quelle: ORF/Produktion West/Gerhard Mader

Die österreichische Küche ist voller Strudel-Wunder. Um den Apfelstrudel hat sich ein Koch-Glaubenskrieg entbrannt: Für die einen gehören simple Brösel zur Fülle, für die anderen müssen es Biskuit-Brösel sein und wieder andere schwören auf Nüsse. 

Der Topfenstrudel wird besonders gern mit Vanille-Sauce verspeist. 

Der Milchrahmstrudel ist an Üppigkeit nicht zu überbieten: Die Fülle besteht aus süßem Rahm, Zucker und Spezereien. Darüber wird wieder reichlich Vanille-Sauce gegossen. 

Im bayrischen Neumarkt in der Oberpfalz wird ein „Apfel-Millirahm-Strudel“ gebacken – eine Mischung zwischen einem Apfel- und einem Milchrahm-Strudel, der wohl das Beste aus beiden „Strudelwelten“ zusammenführt.

Anschnitt fertiger Gibanica, Slowenien
Anschnitt einer fertigen Gibanica, Slowenien  
Quelle: ORF/Produktion West/Gerhard Mader.

Der „Vierlings-Strudel“ (Gibanica) ist quasi das slowenische Nationalgebäck: Zwischen den Strudelblättern werden schichtweise verschiedene Füllungen – aus Mohn, Nüssen, Äpfeln und Topfen (Quark) – aufgetragen und noch mit „süßer Sahne“ getränkt. 

Weizenmehl aus Ungarn hat einen hohen Kleberanteil und eignet sich daher besonders gut zur Herstellung von Strudelteig. Der ungarische Mohnstrudel, „Rétes“ genannt, gilt in seinem Ursprungsland ebenfalls als Nationalspeise. Sein Ruf als edles Dessert hat sich aber bereits im 19. Jahrhundert nicht nur in der österreichisch-ungarischen Monarchie verbreitet, sondern ist gar bis nach Frankreich vorgedrungen. 

Der Strudel birgt wahrlich einen großen Schatz an Kulturgeschichte, der Menschen mehr verbindet als trennt und die Küche zum Hort der Völkerverständigung erhebt.

Die Rezepte aus der Sendung finden Sie hier.

Eine Koproduktion von

Ähnliche Beiträge

  • Allerheiligen im Pielachtal

    Allerheiligen, eine Zeit der Ruhe und des Gedenkens an die Liebsten. Ein alter Brauch ist der Allerheiligenstriezel, der den Patenkindern von ihren Taufpaten geschenkt wird. Das Pielachtal, oder im Volksmund Dirndltal ist vor allem auch für seine Köstlichkeiten aus der roten Dirndl-Frucht sehr bekannt. Noch haben sich alte Strukturen und Traditionen im Pielachtal erhalten. Allerheiligen…

  • Die Frauen der Eisenstraße

    Seit dem Mittelalter wird entlang der Ybbs und der Erlauf Eisen verarbeitet. Die Verarbeitung von Eisen war Handwerk und Kunst zugleich. In der vorindustriellen Neuzeit, im 16./17. Jahrhundert, wurden die mittelalterlichen Schmieden zu sogenannten „Hämmern“ und waren meist im Besitz wohlhabender Hammerherren und manchmal auch „Hammerherrinnen“. Die Bezeichnungen änderten sich zu „Schwarzen Grafen und Schwarzen…

  • Magische Weihnachten – Traditionsgebäck

    Traditionsgebäck im Advent Das Backen von Traditionsgebäck kann man beinahe als eigene Kunstform – als Frauenkunst –bezeichnen. Der Lebkuchen hat eine lange Tradition, die man bis ins Mittelalter zurückverfolgenkann. Wegen seiner langen Haltbarkeit war er besonders beliebt. Aber auch heute ist der Lebkuchenaus der Weihnachtszeit nicht mehr wegzudenken. Mittlerweile gibt es die unterschiedlichstenFormen, Füllungen und…

  • Magische Ostern im Pielachtal

    Ostern beginnt im Pielachtal am Palmsonntag, wenn ein lebender Esel die Palmprozession in Kirchberg an der Pielach begleitet, die an Jesu‘ Einzug in Jerusalem einnern soll.  Die Karwoche hat ihre eigenen Traditionen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Eine davon ist das Gründonnerstags- oder Karfreitagsei. Die an diesem Tag gelegten Eier sollen eine besondere…

  • Herr Morgenstern und seine Synagoge

    Fast die gesamte jüdische Bevölkerung St. Pöltens ist der Shoah zum Opfer gefallen. Die Synagoge: dem Abriss nahe.Hans Morgenstern kämpft gegen das Vergessen. Hans Morgenstern wird 1937 in St. Pölten geboren. Gleich nach dem „Anschluss“ verlassen seine Eltern mit ihm Österreich Richtung Palästina. Familienmitglieder und Freunde, die in St. Pölten zurückbleiben, werden ermordet. 1947 kehren…

  • Magische Ostern in St. Pölten

    Bunte Ostergestecke und Ostersträuße sind Feiertags- und Frühlingsboten.  Denn der Frühling ist eingekehrt an der Traisen, in der Au entdeckt man das erste Grün.  Mit einer Prozession am Palmsonntag starten die kirchlichen Feierlichkeiten zu Beginn der Karwoche im Kreuzgang des Domes von St. Pölten. Bei den Mönchen im Franziskanerkloster steht zur Vorbereitung auf Ostern Fastensuppe…