Gmünd Flucht über die Grenze

Universum History – Leben am Eisernen Vorhang

Anita Lackenberger und Gerhard Mader präsentieren ein neues Universum History: „Niederösterreich – Leben am Eisernen Vorhang“. Die Dokumentation portraitiert dabei die Entwicklung der Stadt Gmünd. Während des ersten Weltkrieges wird dort ein Flüchtlingslager errichtet, welches sich später zu einem eigenen Stadtteil entwickeln wird. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie teilt man die Stadt – einst im Zentrum des Kaiserreichs – durch eine neue Staatsgrenze in zwei Teile. Auch der Kalte Krieg war für die Gmünder nicht nur etwas abstraktes, sondern konkret sichtbar und spürbar. Schließlich verlief der Eiserne Vorhang wenige Meter vor ihren Häusern. Die Geschichte dieser Kleinstadt dient dabei nicht nur als Portrait für die Entwicklung Niederösterreichs, sondern spiegelt auch das politische Weltgeschehen des 20. Jahrhunderts wider.

Herr Fernsinn Senior vor LagerplanWir erleben die Geschichte aus der Sicht der Familie Fürnsinn. Eine Familie, die Gmünd auf besondere Weise geprägt hat. Angefangen hat alles mit dem Baumeister Hans Fürnsinn senior, der während des Ersten Weltkriegs ein Flüchtlingslager für tausende Menschen errichtete. Auch nach dem Zusammenbruch der Monarchie und einer neuen Grenze, die direkt durch die Stadt verläuft, bleibt Hans Fürnsinn senior in Gmünd. Sein Sohn Hans Fürnsinn junior und dessen Frau Monika ermöglichen uns einen Blick in eine spannende Familiengeschichte. Aus einer beschaulichen Kleinstadt wird Gmünd zu einer geteilten Stadt, da die Grenzen plötzlich neu bestimmt wurden. Dies verschärft sich noch zusätzlich nach dem Zweiten Weltkrieg, als an der Grenze zu Gmünd der Eiserne Vorhang errichtet wird. Ein Leben am Stacheldraht war die Folge. Tote waren keine Seltenheit und trotzdem bleiben die Menschen, hier in Gmünd, wie auch auf der tschechischen Seite in České Velenice.

Dies alles wird in packenden Bildern erzählt. Sei es mit spektakulären Spielszenen, wie etwa die Portraitierung eines Fluchtversuch mit einem Zug, wofür eigens eine Dampflokomotive aus Budweis verwendet wurde, als auch mithilfe von oft unbekannten Originalbildern und Interviews von ZeitzeugInnen. Für die Darstellung der Eltern von Hans Fürnsinn junior konnten dabei Kristina Sprenger und Michael Walde-Berger gewonnen werden, die durch ihr beeindruckendes Schauspiel die Geschichte in die Gegenwart holen. Ebenso wirken Franziska Grinzinger, Harald Windisch und Sami Loris mit.

Um die Authentizität der Schauspielszenen zu gewährleisten, waren Ausstattung und Maske gefordert. Schließlich mussten mehrere Jahrzehnte in Szene gesetzt werden. So wurde etwa für die Darstellung der Flucht eines Tschechen über die Grenze eine originale Eisenbahn von 1970 verwendet. Das Ehepaar Fürnsinn Senior fährt in einem historisch akkuraten Oldtimer und auch ein spektakulärer Fluchtversuch mit einem Kranwagen wurde so authentisch wie möglich nachgestellt. Dieser wurde eigens für die Dreharbeiten aus dem Museum geholt. Dass das Kostümbild in Sachen Aufwand dem um nichts nachtsteht, wurde der berühmte Kostümfundus der Barrandov Studios in Prag auf den Kopf gestellt, sowie umliegende Trödler und Kleinbühnen durchforstet. Einige Szenen konnten sogar im echten Haus der Familie Fürnsinn gedreht werden. Eine besondere Ehre für die Darsteller des Ehepaares in einem Haus mit so viel Geschichte spielen zu können.

Zu einem Abschluss kommt die Dokumentation dann mit einer großen Hochzeit, als Brückenschlag zur Gegenwart. Eine „echte“ Gmünderin heiratet einen tschechischen Gmünder. Die Trennlinie, die der Eiserne Vorhang in den Köpfen der Menschen gezogen hatte, schwindet heute immer mehr. Um die 30 Statisten aus Gmünd und České Velenice nahmen an dieser Spielszene teil. Auch einige Charaktere aus der Vergangenheit begegnen uns auf dieser Hochzeit. Was als verbindendes Symbol im Film gedacht ist, bringt an diesem Tag auch in Wirklichkeit viele österreichische und tschechische Gmünder zusammen.

Die von der Historikerin Anita Lackenberger (Buch und Regie) inszenierte Dokumentation „Niederösterreich – Leben am Eisernen Vorhang“ im Rahmen der Universum History-Reihe ermöglicht uns einen neuen Blick auf die Geschichte Niederösterreichs und damit zugleich auch Europas.

 

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