Gerstenmehl, Brennnesseln und Zichorien – Vom Essen in Kriegszeiten

Den Hunger zu bekämpfen war keine leichte Angelegenheit. Es wurden sogenannte Kriegskochbücher geschrieben, Rezepte auf Fahrtkarten aufgedruckt und Ersatzlebensmittel zur Verfügung gestellt. Wer am Land lebte, hatte oft Vorteile, da die Nähe zur Natur zumindest die Möglichkeit zum Obst pflücken und Kräutersammeln eröffnete, auch Schnecken wanderten auf den Speiseplan. Man musste erfinderisch sein, zum Beispiel gewann man Tee aus Pilzen. Die Stadtbevölkerung im Gegensatz, nützte jeden öffentlichen Flecken Erde zum Anbau von Gemüse.

Die Not machte erfinderisch: Brennnessel statt Spinat, Zichorienkaffee oder getrocknete Löwenzahnwurzeln statt Bohnenkaffee und Gerstenmehl statt Weizenmehl. So sollten die Frauen, mit diesen noch dazu meist qualitativ schlechten Lebensmitteln, Wunder wirken. Und nicht nur der Mangel an Lebensmittel macht das Kochen schwierig, sondern auch das Fehlen von Brennstoff. Es kursierten unzählige Empfehlungen zum Einsparen von Heizmaterial, zum Beispiel durch isolierende Kochkisten. Kinder waren die größten Leidtragenden – Mangelernährung bremste ihre Entwicklung, die auch nach dem Krieg kaum aufzuholen waren.

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